Argentinien Part I

Buenos Aires

Am Donnerstag sind wir dick eingepackt im Süden Argentiniens, in Rio Gallegos ins Flugzeug gestiegen und sind 2,5 Stunden später in Buenos Aires bei fast 20 Grad angekommen. Der Blick aus dem Flugzeugfenster hat uns in unserer Entscheidung bestätigt. Unter uns entfalten sich tausende Kilometer voller … Nichts. Das wären 36 äußerst langweilige Stunden im Bus geworden. Mit neuen Horrorgeschichten über die hiesigen Taxifahrer im Kopf nehmen wir kurzerhand den Shuttlebus vom Flughafen in die Stadt und sind direkt mitten drin im Chaos. Nach mehr als drei Wochen umringt von Natur, Einsamkeit und verlassenen Ortschaften ist der Trubel in Argentiniens Hauptstadt erst mal ganz schön ungewohnt.

Wir haben für die nächsten Tage ein Apartment mitten im Zentrum gemietet. In dem in die Jahre gekommene Gebäude katapultiert uns der Aufzug mit Falttüren jedes mal direkt in den 12. Stock, außer er funktioniert mal wieder gar nicht.

Centro Buenos Aires wirkt für mich wie eine Mischung aus Frankfurt und Paris. Alte, herrschaftliche Gebäude wechseln sich mit ganzen Straßenzügen voller Wolkenkratzer ab. Von der angeblich breitesten Straße der Welt sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zum rosa Präsidentenpalast. Und überall wird demonstriert. Wir schlendern durch die Avenida Florida, die Haupteinkaufsstraße. Hier ist von Wirtschaftskrise nichts zu spüren, die Argentinier shoppen als gäbe es kein Morgen. Im Nobelkaufhaus Galerías Pacífico sitzen die betuchteren Porteños unter mehr oder weniger kunstvollen Deckengemälden und schlürfen Sekt. Die Szene wirkt als wäre sie im Jahre 1906 eingefroren. In das Jahr 2016 wird man ein paar Schritte weiter aber wieder unsanft katapultiert, wenn man an McDonald und Starbucks vorbei läuft.




Wir sind ja aber auch nicht zum shoppen hier und laufen weiter ins Viertel San Telmo. Nach kürzester Zeit bin ich verliebt. Die Kopfsteinpflasterstraßen werden von wunderschönen, alten Gebäuden gesäumt und überall gibt es tolle Cafés und Shops. Weiter im Zentrum gibt es dann auf einmal überall Antiquitätenläden. Wir entdecken neben europäischen Designklassikern, alte Leuchtbuchstaben, Spazierstöcke, einen Nashornschädel, alte Pelzmäntel… Hinter einem bescheidenen Eingang eröffnet sich uns der Mercado San Telmo, der einen ganzen Häuserblock einnimmt. Hier kann man an kleinen Ständen alte Telefone, Fotos, Reisepässe und allerlei mehr oder weniger nützliches erwerben. Wer schon immer mal ein altes Schiffssteuer haben wollte wird hier garantiert fündig. Besser wird es nur noch sonntags, wenn sich der Markt auf das ganze Viertel ausstreckt! Überall sind Stände, Straßenkünstler, Musiker … Die Atmosphäre ist super!







Im Viertel Recoleta besuchen wir den berühmten Friedhof und statten dem Grab von Eva Perón einen Besuch ab. Weiter geht es mit dem unübersichtlichen Nahverkehr nach La Boca. Der Stadtteil ist berühmt für sein Fussballstadion und die bunten Häuser am Hafen. Hier ist ganz schön was los. Tango tanzende Paare wiegen sich an jeder Ecke und schnappen sich die Touristen für ein paar gut bezahlte Fotos. Die buntbemalten Fassaden sind vor lauter Menschen kaum zu fotografieren. Generell ist Buenos Aires schwierig auf Fotos einzufangen. Manchmal muss man die Kamera weglegen und einfach schauen…Vor lauter schauen haben wir aber leider vergessen, dass wir von hier auch wieder weg wollen und stehen auf einmal ohne Bargeld da. Mit dem Geld abheben ist das hier so eine Sache. In fünf Tagen Buenos Aires haben wir wohl jeden Geldautomat der Stadt abgeklappert und genau eine Bank und einen einzigen Automaten gefunden der uns Geld geben wollte. Der ist natürlich im Zentrum. Zwischen uns und dem Zentrum liegt allerdings der Teil La Bocas, der auf unserem Stadtplan gar nicht erst eingezeichnet ist. Dort steht einfach nur ‘für Touristen unsicheres Gebiet’. Hilft jetzt aber alles nichts, wir laufen im Stechschritt los. Natürlich passiert uns nichts, es sind auch viel zu viele Leute auf der Straße. Manchmal hat man das Gefühl, man soll so von den weniger schönen Vierteln fern gehalten werden.




An unserem letzten Tag fahren wir ca. eine Stunde in einen Außenbezirk der Stadt um die Feria de Mataderos zu besuchen. Der Jahrmarkt wirkt viel authentischer als die Touristenmärkte in der Stadtmitte. Hier wechseln sich Grillstände, frisch gezapftes Bier, lokale Produkte mit Matetee-Gefäßen, Cowboystiefeln, Sätteln und Messer ab. Auf dem Rückweg passiert uns dann gleich nochmal ein Missgeschick. Nach ca. 20 Minuten im Bus werde ich von einem Mann angesprochen, ob wir zum Zentrum fahren wollen. Als ich mit ja antworte, meint er nur: ‘That’s the wrong direction. It’s getting more and more dangerous if you stay on the bus.’. Also steigen wir mal lieber schnell aus und fahren in die andere Richtung zurück. Wir sind aber auch Glückspilze!

Nach ein paar gefahrlosen, wunderschönen Tagen verlassen wir die Stadt in Richtung Uruguay. Buenos Aires, wir kommen wieder!!
Viele Grüße senden Maren und Fred

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4 Comments

  • Reply
    Petra Höss
    27. April 2016 at 16:15

    Hallo Ihr 2,
    ich vermisse ein Tangobild von Euch ! Oder kommt das noch ? Jetzt ist noch Zeit für einen Kurs. Viele Grüße aus dem Odenwald mit Neuschnee❄️☃

    • Reply
      Maren
      1. May 2016 at 18:34

      Wir haben leider keine Tango-Outfits dabei 🙁

  • Reply
    rieckher lieselotte
    29. April 2016 at 16:33

    Hallo, schoen dass ihr die Feria de Matadores in Buenos Aires entdeckt habt. Die Stadt hatte uns auch verzaubert. Vielleicht schaut ihr euch nach dem ruhigen Urugay auch die Missiones an, ein Stueck Geschichte Suedamerikas, wenn auch recht verschlafen. Und gegen die Kaelte hilft der allgegenwaertige M atetee (igitt, konnte die Liebe der Einheimischen dafuer nicht nachempfinden). Ab der Grenze zu Brasilien wird es waermer und in Iquazu duerft ihr sicher ganz auftauen. Noch viel Spass bei der Weterreise Lieselotte

    • Reply
      Maren
      1. May 2016 at 18:36

      Hallo Lieselotte! Wir sind inzwischen schon weiter nach Paraguay gezogen und wollen uns von hier eine Mission anschauen. Da gibt es ja zahlreiche in der Gegend! Heute hatten wir zum Glück den ersten Sonnentag seit langem und zum Glück mögen wir ja auch den Matetee :-).
      Viele Grüße aus Paraguay senden Maren und Fred

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