Brasilien Part IV

São Paulo – Brasília



Nach einer kurzen Funkstille melden wir uns zurück! Wir haben die letzten Tage in São Paulo verbracht und sind dann nach Brasília geflogen. Leider haben wir in São Paulo nur genau ein Foto gemacht. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens hat es bis auf unseren letzten Tag eigentlich ununterbrochen geregnet. Und damit meinen wir keinen leichten Nieselregen, sondern die Art, bei der für mehr als 6 Stunden der Strom ausfällt und alles verlockender ist als vor die Tür zu gehen. In den wenigen Regenpausen haben wir trotzdem ein Sightseeing Programm absolviert. Wir hatten eine Unterkunft im wunderschönen und hippen Stadtteil Bellavista und gar nicht genug Zeit um alle Läden, Cafés und Restaurants zu besuchen.

Leider war das für uns auch schon das Highlight der Stadt. Denn zweitens hat uns die Stadt leider nicht wirklich gepackt. Das Zentrum rund um die Avenida Paulista ist sehr geschäftig mit Bürohochhäusern und Shoppingmalls. Abgesehen davon hat die Stadt leider nicht besonders viel zu bieten. An unserem letzten Tag haben wir die einzigen Sonnenstrahlen im Parque do Ibiarapuera genossen. Während wir unser Kokoswasser genießen, kann man hier wunderbar den verrücktesten Leuten zuschauen. Wir kommen uns äußerst overdressed vor, als wir halb nackte Menschenmassen durch den Park flanieren sehen. Die meisten sind von Kopf bis Fuß im Sportoutfit, sehen aber nicht aus als ob sie sich wirklich anstrengen wollen. Hier gilt sehen und gesehen werden. Nach einer weile gehen wir weiter in Richtung China- bzw. Japantown. Brasilien hat die zweitgrößte japanische Bevölkerung der Welt und das wird hier so richtig deutlich. Wir lassen uns asiatisches Essen schmecken und laufen staunend durch Kaufhäuser voller Plagiate.
Nach fast 5 Tagen können wir zwar eigentlich nicht sagen, dass uns die Stadt nicht gefallen hat, aber begeistert sind wir auch nicht. Vielleicht ist es für São Paulo aber auch nur besonders schwer neben dem wunderschönen Rio de Janeiro zu bestehen.
Wir machen uns auf jeden Fall wieder auf den Weg, der nächste Stopp heißt Brasília.

Jedem dem wir erzählt haben, dass Brasília auf unserer ‘must-see’ Liste steht hat uns nur unverständlich angeschaut. Wenn ich dann aber sage, dass ich Architektin bin, antworten alle ‘Ach sooooo, dann musst du da natürlich hin!’. Zum Glück habe ich Fred schon so viel von Oscar Niemeyer erzählt, dass er auch interessiert ist und so fliegen wir in die trockene Mitte Brasiliens. Nachdem zuerst Salvador de Bahia und dann Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens waren, wurde 1891 beschlossen eine neue, neutrale Hauptstadt zu bauen. Stadtplaner Lúcio Costa und Oscar Niemeyer haben sich ab 1956 hier verewigt. Aus dem ursprünglichen Plan von zwei zentralen Achsen ist eine Stadtanlage mit den Umrissen eines Flugzeugs entstanden. Niemeyer entwarf damals alle öffentlichen Gebäude.

Man muss wissen, dass die Utopie der beiden auf der Idee einer Autostadt beruht. Für Fußgänger ist hier kein Platz. Gut, dass wir kurzentschlossen ein Auto gemietet haben. Im Nachhinein weiß ich nicht wie man sonst von A nach B kommen sollte. Vom Flughafen kommen wir spät abends in unserer Unterkunft an. Es wird sich heraus stellen, dass wir in einer äußerst merkwürdig Stadt gelandet sind und die Unterkunft genau ins Konzept passt. Bei Tageslicht stehen wir staunend in der riesigen Lobby mit Blick auf den See und versuchen zu begreifen wo wir hier eigentlich gelandet sind. Das ganze hier nennt sich ‘Life Resort’. Es kommt uns vor wie eine riesige, eingezäunte Wohnanlage, die einem Studentenwohnheim für Erwachsene ähnelt. Es gibt hunderte winzige Apartments, dafür aber Zimmerservice, Pool, Fitnessstudio, einen Supermarkt der nur Fertigessen verkauft, ein Spa, Restaurant … Wir wissen nicht so ganz wo wir hier gelandet sind. Unser Apartment hat zwar eine Küche aber keinen Herd?!?

Die Stadt selbst kann in Punkto Skurrilitäten locker mithalten. Wir fahren die, immer mindestens vier spurige zentrale Achse entlang und suchen einen Parkplatz. Hier offenbart sich der erste Haken der Autostadt: es gibt noch nicht mal annähernd genug Parkplätze. Hat man dann einen gefunden, kommt das nächste Problem. Es gibt keine Gehwege, keine Fußgängerampeln. Bei über 30 Grad und stechender Sonne laufen wir von einem öffentlichen Gebäuden zum nächsten. Auf den riesigen Plätzen steht kein einziger Baum, hier hält sich natürlich auch niemand auf. Vor uns reihen sich die Ministern auf. Dutzende Gebäude, links und rechts, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Von Fred kommt irgendwann nur noch: ‘Soll ich mal raten von wem dieses Gebäude ist??’. Hier hat sich Niemeyer wirklich mehr als ein Denkmal gebaut. Ich könnte die wunderschönen und doch so einfachen Formen den ganzen Tag anhimmeln. Nach 2 Tagen in dieser Utopie muss man nur leider wirklich zugeben, dass hier jede Funktionalität fehlt. Kein wundern, dass in den 60er Jahren keiner der Regierungsmitarbeiter hierher ziehen wollte. Wer will hierfür schon Rio verlassen?



Hier sieht man das Problem von Niemeyers geliebten Wasserbecken in Zeiten von Zika und Gelbfieber…



Wir haben zwei beeindruckende und einmalige Tage in der Hauptstadt verbracht, jetzt freuen wir uns aber auf Natur und Gehwege!
Viele Grüße aus der Mitte Brasiliens senden Maren uns Fred

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2 Comments

  • Reply
    Petra Höss
    28. May 2016 at 19:00

    Hallo Ihr 2,
    langsam neigt sich die Zeit dem Ende zu und wir fragen uns : Was werden wir nur ohne Euren Blog machen ? Viele Grüße Petra

    • Reply
      Maren
      31. May 2016 at 13:30

      Als ob wir nicht schon die nächste Reise planen würden 🙂

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