Chile Part III

 Osterinsel – Rapa Nui

Wochenlang haben wir Flüge gecheckt, Unterkünfte verglichen und festgestellt, dass es eigentlich zu teuer ist. Dann kam ein Tag in Kolumbien, Isa hat gerade ihre Flüge gebucht und Fred schaute aus Gewohnheit noch mal nach Flugpreisen. So niedrig war der Preis noch nie… 2 Minuten später haben wir gebucht. Wir werden die Karwoche also auf der Osterinsel verbringen!

In der Zwischenzeit haben wir viel erlebt, fünf weitere Länder bereist, aber unser ‘Ausflug’ auf die Osterinsel ist uns immer im Hinterkopf geblieben. Von einigen Leuten unterwegs wurden wir gefragt, was wir denn eine Woche auf dieser winzigen Insel mitten im Pazifik machen wollten. Beim Anflug auf Rapa Nui haben wir uns das auch gefragt… Die Insel ist so klein, dass die Landebahn hinter den steilen Klippen anfängt und dann einmal die Insel überquert.

Ehrlich gesagt kam uns der Flug gerade recht. Die Hälfte unserer Reise ist vorbei und unsere Köpfe quellen vor neuen Eindrücken über. In letzter Zeit waren wir ziemlich schnell unterwegs, es blieb kaum Zeit das Erlebte zu verarbeiten. Manchmal hat man fast das Gefühl etwas abzustumpfen: Wieder eine alte Inkamauer, der nächste bunte Markt… alles schon gesehen. Jetzt ist also Zeit mal alles etwas sacken zu lassen und mit Blick ins azurblaue Wasser zu entspannen.

Direkt nach dem Verlassen des Flugzeuges bekommen wir das Gefühl, dass hier die Uhren etwas anders ticken. Hier landet nur ein Flugzeug am Tag, es gibt keine Terminals, keine Gates, nur eine Holzhütte, die gleichzeitig Gepäckabholung, Ankunftshalle, Hotelschalter usw ist. Hier werden wir auch schon mit einer Blumenkette empfangen. Nach einer kurzen Tour durch die ‘Hauptstadt’ (und einzige Stadt) Hanga Roa kommen wir in unserer Hütte an. Das Wetter ist zumindest schon mal so, wie man es sich auf einer Pazifikinsel vorstellt: HEISS!

Obwohl man deutlich merkt, dass die Insel vom Tourismus lebt, hat er zum Glück noch nicht überhandt genommen. Es folgt ein erster Spaziergang durch den Ort, bei den Preisen hier müssen wir ganz schön schlucken. Als ich im Kiosk zwei Flaschen Wasser und ein Radler kaufen will, nennt der Kassierer mit den Preis. Ich schaue ihn nur ratlos an und sage ‘Qué??’ Er wiederholt den Preis, ich schaue zu Fred, der zuckt mit den Schultern und ich bezahle tatsächlich fast 8€. Na gut, dann wird jetzt halt Leitungswasser getrunken …

Die ersten Tage erkunden wir die Gegend und lassen uns vom Rhythmus der Insel treiben. Da die Sonne hier erst weit nach 8 Uhr aufgeht und es mittags unerträglich heiß wird geht alles etwas langsamer vonstatten.



Bis auf drei Vulkane gibt es keine nennenswerte Erhebungen und die Vulkankrater sollen einen Besuch wert sein. Also schmieren wir uns dick mit Sonnencreme ein und marschieren los. 324 m Steigung ist ja gar nicht nach unseren Machu Picchu Abenteuern. Dachten wir. Da waren es aber auch nicht weit über 35 Grad. Hechelnd erreichen wir den schattigen Wald, aber es geht stetig weiter bergauf. Das ist vielleicht auch der Grund, wieso außer uns kaum jemand unterwegs ist…es ist einfach zu heiß. Weiter oben weht wenigstens eine ganz schöne Brise und wir kommen in der Mittagssonne beim Krater an. Vor uns mehrere Touristen, es hätte nämlich auch eine befahrbare Straße gegeben. Na toll. Hier oben ist die Brise auf einmal auch gar nicht mehr so angenehm. Auf dem Weg zu einer Kultstätte am Kraterrand haben wir mehrmals das Gefühl gleich ins Meer geweht zu werden. Der Ausblick ist aber wahrlich spektakulär: im Vulkankrater hat sich eine Art Biosphärenreservat entwickelt und die Grünen Pflanzen strahlen mit dem dahinterliegenden Meer um die Wette.

Zurück in Hanga Roa entspannen wir bei Shrimps und Maracujasaft, während es Zeit wird die Nachwirkungen unserer Wanderung zu bestaunen: Trotz Sonnencreme haben wir uns einen so heftigen Sonnenbrand zugezogen, dass unsere Pläne für morgen verworfen werden müssen. Wir verordnen uns absolutes Sonnenverbot und Aloe Vea Creme.


Nach einem Tag Zwangspause nehmen wir dann aber endlich den Rest der Insel in Angriff. Man kann hier an jeder Ecke Autos mieten, nur leider gibt es auf der ganzen Insel keine Autoversicherung…und das nach unserem teuren Steinschlag beim letzten Mietwagen… Gut dann müssen wir wohl vorsichtig fahren. Ein kurzer Hinweis auf die vielen wilden Pferde, die einfach mitten auf den Straßen stehen, hätte aber vielleicht auch nicht geschadet.

Obwohl uns die typischen Statuen (Moai) auch im Ort schon mehrmals über den Weg gelaufen sind, waren wir doch nicht vorbereitet auf die schiere Masse die wir zu Gesicht bekommen. Uns war nicht bewusst, dass eigentlich alle Moai nach dem Untergang ihrer Kultur umgeworfen wurden. So sieht man also an den meisten Kultstätten umgestürzte Moai, deren Hüte teils meterweit weggekullert sind. Das ist ein ziemlich trauriger Anblick.

Da kommt uns der nächste Stopp, Rano Raraku gerade recht. In dem riesigen Steinbruch lassen sich dutzende Figuren in unterschiedlichsten Stadien und ‘Designs’ bewundern. Teils scheinen sie, schon aufgerichtet nur auf ihren Abtransport zu warten, teils sind sie noch gar nicht ganz aus den Felsen heraus gehauen. Manche sind so groß, dass man sich partout nicht vorstellen kann, wie sie kilometerweit weg transportiert werden sollten. Von hier sieht man jetzt auch schon eine Reihe aufgerichteter Moai in der Ferne. Die Statuen von Tongariki hat wohl jeder vor Augen, der schon mal Bilder von der Osterinsel gesehen hat. Aufgereiht wie Soldaten oder vielleicht auch wie eine Fußballmannschaft stehen sie mit dem Rücken zum Meer. Nachdem auch diese umgestürzt und dann noch von einem Tsunami ins Land geschleudert wurden, wurden sie von einem japanischen Forscherteam wieder zusammengepuzzelt. Ein unglaublicher Anblick.

Leider liefern wir uns zu diesem Zeitpunkt schon ein Rennen mit den Bussen voller asiatischer Touristen und wir wollen ihnen beim nächsten Stopp zuvor kommen. Also Düsen wir weiter zu einem der wenigen Sandstrände der Insel. Hier stehen einige Moai direkt am Strand, aber die sehen wir auch noch aus dem kühlen Wasser. Meine Taucherbrille kann ich getrost liegen lassen. Das Wasser ist badewannen-klar und schwimmbad-blau – einfach herrlich. Viel zu sehen gibt es leider nicht. So geht ein Tag voller Moai dem Ende zu.









Wer kann denn wissen, dass uns eines unserer Highlights noch bevor steht? Zum Abkühlen gehen wir gegen Abend an den ‘Stadtstrand’, wo ich aus Gewohnheit mal ein bisschen unter Wasser schauen will. Mit einem Mund voll Salzwasser tauche ich nach kürzester Zeit prustend wieder auf. Um uns rum ist alles voller bunter Fische. Der nächste Gang wird noch besser…kaum unter Wasser sehe ich keinen Meter entfernt eine riesige Schildkröte und da taucht auch schon die nächste neben uns auf. Einfach Wahnsinn! Wir sind definitiv versöhnt mit der Unterwasserwelt des Pazifik.

Nach einer Woche voller Sonne, Thunfisch, Ceviche und Moai verlassen wir eine der einsamsten Inseln der Welt.

Wer Abenteuer-Urlaub sucht ist hier sicherlich falsch. Wer aber ein paar entspannte Tage mit einer einzigartigen Kultur, sensationellen Sonnenuntergängen, viel Fisch und liebenswerten Einheimischen verbringen will ist hier sicher richtig.

Ganz fernab der Zivilisation ist man dann aber auch hier nicht: das Fußballspiel Chile gegen Argentinien wird natürlich in jeder Bar übertragen und jeder Chilene fiebert mit ….


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3 Comments

  • Reply
    Sebi
    28. March 2016 at 14:17

    Wow!!! Jetzt ist meine (zugegeben sehr lange) Wunschliste um ein Ziel reicher!

    • Reply
      Maren
      28. March 2016 at 14:28

      Dafür sind sie doch da 🙂

  • Reply
    Dennis
    9. April 2016 at 1:38

    Das erste Darmstadt Trikot auf der Osterinsel 🙂

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