Chile Part VI

Carretera Austral – Ruta 40

Von der Insel Chiloé aus geht es zurück nach Puerto Montt von wo wir uns in den nächsten Tagen gleich zwei der bekanntesten Routen in Südamerika vornehmen werden. Erst geht es auf der berühmten Carretera Austral Richtung Patagonien und dann auf argentinischer Seite auf der windgepeitschten Routa 40 weiter.

Die 1240 km lange Carretera Austral ist heute noch weitestgehend unasphaltiert, aber die unzähligen Baustellen auf dem Weg zeigen ein nicht enden wollendes Großprojekt auf. In den nächsten Jahren wird das Abenteuer dann auch irgendwann ein Ende haben und man wird auf asphaltierten Straßen bis nach Feuerland düsen können.

Zur Zeit kann man allerdings noch ein Bissen alten Pioniergeist schnuppern. Nach mehreren, teils 4 stündigen Fährfahrten geht es bei Caleta Gonzalo dann wirklich los. Ab hier heißt es: Bei jeder Tankstelle auftanken, Schlaglöchern und Planierwalzen ausweichen und die atemberaubende Landschaften genießen. Manchmal begegnen wir Stunden lang keinen Autos. Unzählige Wasserfälle und Schluchten zwingen uns immer wieder zu Fotostops. Weder Wespenstiche dank aufgescheuchter Nester noch schmerzende Gliedmaßen dank eines komfortlosen Gefährts können uns aufhalten.

 
  



    
Mit zwei Zwischenstopps überqueren wir nach 3 Tagen im Dunklen die Grenze zu Argentinien. Je weiter wir in den Süden kommen, desto spärlicher wird die touristische Infrastruktur. Da der Atem in unserem Zelt nachts immer weißer wurde und die Scheiben morgens gefroren waren, mussten wir unser Dachzelt seit Chiloé leider eingeklappt lassen. Jetzt ist unser einziger Komfortanspruch ein funktionierender Ofen. In den meisten Orten findet sich noch jemand, der uns ein Cabaña, eine Art Ferienhaus aufschließt. Am dritten Tag ist aber weit und breit nichts zu finden, also fahren wir weiter nach Argentinien. Auch dort ist erstmal keine Unterkunft auffindbar. Also geht es noch mal 150 km weiter bis in die nächste Stadt Perito Moreno. Laut Mietwagenfirma soll man vermeiden nachts zu fahren. Wir kommen zum Glück problemlos durch und finden auch tatsächlich ein Cabaña. Am nächsten Tag geht es weiter und nach kurzer Zeit wird uns klar, was wir gestern Nacht nicht wahrgenommen haben: am Straßenrand tauchen immer wieder zahlreiche Guanakos (ähnlich einem Lama) und Nandus auf. Der Gedanke, dass die uns gestern aus dem Dunklen beobachtet haben ist echt unheimlich …

Ab jetzt geht es auf der Routa 40 weiter in den Süden. In El Calafate kommen wir nach 10 Tagen Einsamkeit wieder in eine Stadt in der auch noch was los ist. Wir können erst gar nicht glauben, dass alle Restaurants und Hotels geöffnet haben. Fred freut sich, dass er mal eine Souvenirpause bekommt, denn Lukas schlendert mindestens genauso gerne wie ich… Nach langem Suchen nach einer Unterkunft machen wir sogar noch ein Schnäppchen und gönnen uns abends zur Feier eine typisch argentinische Pizza. Gratis dazu bekommt man hier die Herbst-/ Winterkollektion 2016 aller bekannter Outdoormarken quasi am Tisch vorgeführt. Einige Gäste sehen aus, als ob sie direkt in die Antarktis aufbrechen wollten.

Nun gut, immerhin ist in der Nähe der Perito Moreno Gletscher zu besichtigen. Obwohl wir schon Bilder gesehen haben, kann uns nichts auf diesen Anblick vorbereiten. Doch bevor man ihn sieht, hören wir es schon aus der Ferne knacken und krachen. Der Gletscher ‘kalbt’ und das ist einfach unbeschreiblich. Von den Aussichtssteegen kommt dann irgendwann die riesige Eiswand in den Blick und man bleibt ob der gewaltigen Ausmaße wie angewurzelt stehen. Der Gletscher ist 60 m hoch und 30 km breit und leuchtet … nunja … gletscherblau. Immer wenn wir gerade gehen wollen bricht wieder irgendwo ein kleines Stück Eis ab und kracht unter Getöse ins Wasser.

    

Das nächste Highlight ist jetzt aber schon in greifbarer Nähe. Am nächen Tag geht es weiter um den Torres del Paine Nationalpark zu besuchen. Dafür müssen wir aber erst mal wieder zurück nach Chile. Zum Glück hat hier den Grenzübergängen niemand so wirklich Lust zu arbeiten und wir kommen immer schnell voran. Im Nationalpark ist trotz Nebensaison ganz schön was los. Wir haben ‘nur’ eine Tageswanderung geplant und machen uns auf zum Torres del Paine Lookout. Der letzte Kilometer führt uns über ein Geröllfeld weitere schweißtreibende 300 Höhenmeter bis zum Aussichtspunkt. Hier sind wir ganz nah an den Granitnadeln, die sich vor uns scheinbar unbezwingbar in die Höhe strecken. Der Herbst hat die Bäume hier schon wunderschön gefärbt und wir sie noch vom Schnee verschont. Über teils zweifelhafte Hängebrücken, vorbei an kristallklaren Gebirgsflüssen und tollenden Füchsen führt der Wanderweg. Nach 19 km, ca. 800 Höhenmetern und zwei Stürzen kommen wir wieder am Auto an.  Leider waren die Wanderwege ganz schön überlaufen, in der Hauptsaison wollten wir hier nicht her kommen.
  





Müde Grüße senden Lukas, Maren und Fred
PS: Am Ende noch ein kleines ‘Outtake’… Das passiert wenn man zu langsam für den Selbstauslöser ist: 

Previous Story
Next Story

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply
    Anja
    13. April 2016 at 12:55

    Luki warum schaust du denn so Böse hat dir jemand den letzten Äppler weggetrunken ?

    An Maren:Die Bilder sind sooooooo cooooool Am besten die von den Füchsen.

    Viele Grüße von Hannes

    • Reply
      Maren
      14. April 2016 at 14:44

      Lukas wollte nich einsehen, dass der Aussichtspunkt ganz oben auf dem Berg ist !
      Warte erst mal die Pinguinbilder ab 🙂
      Freut mich dass dir die Fotos gefallen !! :-*

  • Reply
    Ingrid Schmidt
    22. April 2016 at 18:14

    Die Vorfreude wächst. Bin mal gespannt was im Sommer los ist. Freue mich schon auf tausen Mitwanderer.. Viel Spaß in Argentinien??

    • Reply
      Maren
      1. May 2016 at 18:33

      Da könnt ihr euch wenigstens nicht verlaufen! Und das Wetter ist bestimmt auch besser!

    Leave a Reply