Chile Part VII ( + Argentinien)

Feuerland und das Ende der Welt

Nach den Nationalparks Patagoniens stand eines meiner Sehnsuchtsziele noch aus … Feuerland. Schon allein der Name löst so viele Bilder aus, dazu noch die Lage am Ende der Welt – Da müssen wir hin.

Nur eine kurze Fährfahrt und wir haben es tatsächlich geschafft. Ab jetzt rollen unsere Reifen offiziell am Ende der Welt. Naja eigentlich holpern sie eher, denn von Straßen kann eher nicht die Rede sein. Hier lassen sich selbst die zahlreichen Guanakos und Schafe nicht mehr von Autos beeindrucken. Mampfend stehen sie am Straßenrand und heben meist noch nicht mal den Kopf wenn wir, Staub aufwirbelnd vorbeidüsen.
Unser erster Stop heißt Porvenir. Eine ziemlich unattraktive Stadt im Norden, die während des Goldrausches entstanden ist. Wir finden ein altes Hotel, angeblich sogar noch eines der Pionierhäuser. So laut wie hier alles knarzt und rauscht könnte das durchaus sein. Nach einem kurzen aber erfolglosen Spaziergang durch den Ort voller Wellblechhäuser und Straßenhunde müssen wir kapitulieren. Hier gibt es wirklich gar nichts. Scheinbar haben einige Leute dieselbe Entdeckung gemacht, denn das Restaurant scheint uns mit fünf besetzten Tischen ziemlich gut besucht. Der Bedienung ist das ganze aber eindeutig zu viel und sie läuft nur missmutig von Tisch zu Tisch. Hier sind scheinbar vor allem Tierfotografen, Forscher und ein paar greise Amerikaner unterwegs, die kaum noch ihre riesigen Objektive halten können. Auch wir wollen natürlich die Attraktion der Gegend erkunden: eine große Kolonie Königspinguine.
Dafür fahren wir am nächsten Tag bei Regenwetter weitere 100 km über verlassene Schotterwege bis an die …. Bucht. Wir haben erwartet am Strand einfach ein paar Pinguine anschauen zu können. Da haben wir die Rechnung aber ohne die ‘Ranger’ gemacht, die fast 20€ Eintritt pro Person verlangen. Da wir die letzten Tage viel zu oft die Grenzen zwischen Argentinien und Chile überquert haben, haben wir anscheinenden immer die falsche Währung zur Hand. Auf meine Frage ob man auch mit Kreditkarte bezahlen könne, schaut die Frau nur kurz aus dem Fenster auf ein unbewegtes Windrad und sagt: ‘Kein Wind – kein Strom – keine Kreditkarte’. Irgendwie kratzen wir noch unsere letzten Pesos zusammen und dann stehen sie auch schon vor uns. Die unzähligen Tiere machen einen ganz schönen Lärm und watscheln anscheinend ziellos durch die Gegend. Wäre das Wetter nicht so bescheiden könnte man hier den ganzen Tag stehen und den Kerlchen zuschauen. Eine paar Pinguine machen sich auf in Richtung Wasser und testen mit den Füßen erst mal die Wassertemperatur vor nur um dann, wenig elegant, mit einem Bauchplatscher im Wasser zu landen.

 Ein paar Kilometer weiter gibt es noch eine Kolonie Felsenpinguine. Die stehen aber leider eher etwas bedröppelt und vermatscht im Regen und scheinen nicht so ganz zu wissen was sie mit sich anfangen können.

Wir fliehen jetzt aber wieder ins trockene Auto und fahren weiter nach Ushuaia. Das Wetter und die Landschaft passen richtig zum Ende der Welt. Im Norden Feuerlands ist die windgepeitschte Landschaft geprägt von höchstens kniehohem Gebüsch. Bis zum Horizont ist kein Baum zu sehen. Abwechslung gibt es nur durch Guanakos und Füchse, verfallene Estancias und ab und an ein Gaucho auf seinem Pferd, der wirkt wie aus der Vergangenheit hier her transportiert. Ob der wohl ein Smartphone in seiner Hosentasche hat?

Weiter im Süden ändert sich das Bild langsam. Hier leuchten die Wälder in Herbstfarben und werden von schneebedeckten Bergen und leuchtenden Seen eingerahmt. Nach jeder Haarnadelkurve entfaltet sich ein neues Panorama vor uns.

Irgendwann kommen wir dann auch in Ushuaia an. Die angeblich südlichste Stadt der Welt ist um einiges größer als gedacht. Leider erweckt auch das Wetter den Eindruck das Ende der Welt sei nahe. Bei denkbar graustem Wetter schlendern wir durch das Zentrum, das sich nicht groß von den anderen Städten hier im Süden unterscheidet. Nur gibt es hier vielleicht noch mehr Pinguin-Souvenirs. Hier offenbart sich allerdings auch der größte Komplex der Argentinier: der Konflikt über die Falklandinseln. Wer hier unterwegs ist sollte dieses Wort natürlich nicht in den Mund nehmen! Die Argentinier sind trotz verlorenem Krieg und verlorener Volksabstimmung vollkommen davon überzeugt, dass die Islas Malvinas zu Argentinien gehören. Wer sich da noch nicht so ganz sicher ist, lässt sich bestimmt von Plakaten in jedem Geschäft, Denkmäler in jeder Stadt und Parolen überzeugen. In Ushuaia geht man sogar so weit den ‘englischen Piraten’ das Anlegen zu verbieten. Wir enthalten uns der Diskussion lieber…

   
In den folgenden Tagen lernen wir geballt alle Jahreszeiten kennen. An unserem ersten Tag werden wir von grauem, regnerischen Herbstwetter empfangen. Kaum haben wir Lukas am zweiten Tag an den Flughafen gebracht, kommt eine frühlingshafte Sonne zum Vorschein und zum ersten Mal erkennen wir, dass Ushuaia von schneebedeckten Bergen umringt ist. Schnee ist auch das Motto für unseren dritten und letzten Tag, an dem wir nach dem Aufwachen fassungslos auf 15 cm Neuschnee schauen. Wieder einmal sind wir froh über unseren Allrad.



Begleitet von Schnee, Hagel, Sturmböen und Sonnenschein verlassen wir mit gemischten Gefühlen Feuerland.



Jetzt müssen wir ein paar Tage in Puntas Arenas ausharren, bis wir am Donnerstag nach Buenos Aires fliegen.
Viele Grüße senden Maren, Fred und Lukas ( inzwischen wieder aus Deutschland)

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