Paraguay Part I

Encarnación – Trinidad – Asunción



Nach zwei Tagen Horrorbusfahrt von Montevideo sind wir letztes Wochenende in Encarnación angekommen. Auf unserer Fahrt haben wir Uruguay durchquert, 2 Grenzen passiert, 1 kurze Nacht in Argentinien verbracht und 18 Stunden in Bussen verbracht. Zum Glück hat sich schnell rausgestellt, dass Paraguay endlich mal wieder ein günstiges Reiseland ist und wir uns den Luxus eines ‘richtigen’ Hotels leisten können.
Am 1. Mai erkunden wir die ausgestorbene Innenstadt Encarnacións. Von der wunderschönen Uferpromenade mit Sandstrand kann man über den Fluss nach Argentinien schauen. Wir genießen den ersten warmen Tag seit langen und Fred genießt die niedrigen Bierpreise. Im Vergleich zu den anderen südamerikanischen Ländern gibt es hier keinerlei touristische Infrastruktur, keine Hostels etc.. Seit unserer Einreise haben wir keinen einzigen Tourist gesehen, eine schöne Abwechslung. Das bedeutet aber auch, dass keinerlei Restaurants heute am Feiertag geöffnet haben. Wir landen im Hotelrestaurant, wo ich ‘Sopa Paraguaya’ bestelle, da ich nicht viel Hunger habe. Jetzt erwartet man, wenn man eine Sopa bestellt, ja eigentlich eine Suppe. Da kann man sich mein Gesicht vorstellen, als ich einen Maiskuchen aufgetischt bekomme. Eine kurze Google Recherche bestätigt, Sopa Paraguaya ist eine hiesige Spezialität und alles andere als eine Suppe. Fred amüsiert sich und isst sein Rumpsteak… Wieder was gelernt.


Im Vierländereck Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay gibt es zahlreiche Jesuitenmissionen zu besichtigen. Wenn wir schon mal hier sind, schauen wir uns natürlich auch eine an. Dafür fahren wir mit dem Bus nach Trinidad. Wir sagen dem Mann an der Tür, dass wir nach Trinidad wollen, dem Fahrer dass wir nach Trinidad wollen, dem Ticketverkäufer, dass wir nach Trinidad wollen und irgendwann sage ich zu Fred: Ich glaube, das war gerade Trinidad. Der Bus ist natürlich vorbei gefahren. Wenigstens ist die Gegend schön und wir sind ja auch nur 2 km zu spät ausgestiegen. Wir bezahlen den Eintritt und haben die ganze Ausgrabungsstätte für uns. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Missionare hier mitten im Dschungel ihre Vision verwirklicht haben.

Wir wollten die Missionen erst gar nicht besichtigen. Ein weiteres Zeichen der Unterdrückung durch die Spanier wollten wir uns nach den Inka-Ruinen sparen. Als wir dann aber nachgelesen haben, zu welchem Zweck die Orte erbaut wurden, haben wir es uns anders überlegt. Genau gesagt sind die Missionen eigentlich die einzigen Orte Südamerikas, in denen eine sinnvolle Eingliederung der Urbevölkerung stattgefunden hat. Hier konnten die Guaraní vor Sklaverei beschützt leben und wurden ausgebildet. In jeder Mission gab es nur wenige Europäer und die Guaraní könnten ihre eigene Sprache und Kultur beibehalten. Da die spanische Krone daraus keinen Nutzen ziehen konnte, ging diese Utopie leider 1767 zu Ende. Übrig geblieben sind beeindruckende Ruinen, deren roter Stein mit der üppigen grünen Vegetation konkurriert.







Nach einem Tag Kultur geht es auch schon weiter nach Asunción. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir auf unsere Airbnb Buchung eine Antwort auf deutsch erhalten haben. Wie das Schicksal so spielt, landen wir im einzigen Fachwerkhaus Paraguays, bei einem Deutschen und seiner paraguayanischen Frau. Abends sitzen wir auf der bayrischen Eckbank, trinken Café und lassen uns Willis Geschichten erzählen. Er erzählt uns von Ölförderung in Nigeria, einer Farm in Angola, Arbeit in Saudi Arabien, Reisen in Südamerika und letztendlich dem Fachwerkhaus in Paraguay. Dabei sitzt auch der paraguayanische Schwager, der schon in Bensheim war. Wir hören von korrupten Regierungen, Schmuggel, Armut und einem wunderschönen Land. Noch nie haben wir in kürzester Zeit so viel über ein Land erfahren. Da können uns auch die Kakerlaken im Gästehaus (fast) nicht mehr abschrecken.


Am nächsten Tag wollen wir uns das Zentrum Asuncións anschauen. Auch auf unsere mehrmalige Versicherung, wir würden den richtigen Bus schon finden, lässt sich unsere Gastgeberin nicht davon abhalten uns zum Bus zu bringen und den Fahrer darauf hinzuweisen wo er uns rausschmeißen soll. Daraufhin werden wir auf die vordersten Sitze verfrachtete und dürfen los! Wir schaffen es tatsächlich in die Innenstadt. Obwohl es hier eigentlich keinerlei Sehenswürdigkeiten gibt, ist Asuncion eine interessante Stadt. Wir trauen unseren Augen kaum, als wir auf den Hauptplätzen überall Bretterbuden stehen. Die Campesinos (die Landbevölkerung) können mit den großen Sojaproduzenten nicht mehr mithalten und können sich nicht mehr selbst ernähren. Also kommen sie in die Stadt und mitten zwischen den Regierungsgebäuden entstehen Armenviertel. So was haben wir noch nie gesehen. Etwas betreten laufen wir weiter, wo bald wieder moderne Geschäfte und Cafés das Straßenbild ausmachen. Das Zentrum verlagert sich immer mehr in Richtung Flughafen mit den Shoppingmalls und schillernden Hochhäusern. Die Innenstadt wird scheinbar ihrem Schicksal verlassen. Ein bedrückender Anblick.



Jetzt geht unsere Zeit in Paraguay auch schon dem Ende zu. Wir freuen uns, dass wir uns für diesen Abstecher entschieden haben!

Viele Grüße senden Maren und Fred

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2 Comments

  • Reply
    Petra Höss
    5. May 2016 at 18:19

    Hallo Ihr 2,
    unglaublich was Ihr alles erlebt. Ich bin da schon ein wenig neidisch und wünsche auch weiterhin eine gute Reise. Wir warten hier immer ungeduldig auf den neuen Bericht und freuen uns Alle von Euch zu hören. Petra
    ( da Ihr die Vortour gemacht habt, können wir ja einen Familienausflug planen ?

    • Reply
      Maren
      6. May 2016 at 11:57

      Hallo Mama! Das wird dann aber ein langer Familienausflug:-)! Wir planen mal !!
      Danke für deinen Kommentar! ?

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